Diät & Essen

Die Fett-Lüge: Wie Sie mit gesundem Fett Ihren Körper heilen

Gestern der große Schurke, heute ein geschätzter Nährstoff: Fett hat einen Imagewandel erfahren. Die Ernährungsmedizinerin Anne Fleck setzt sogar auf die Heilkraft von Fett, wie sie in einem neuen Buch beschreibt. An Buttercremetorte oder 60-prozentigen Käse sollten Sie dabei allerdings nicht denken.

Fett galt jahrzehntelang als Auslöser der schlimmsten Zivilisationskrankheiten: Übergewicht, Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall. Seit einigen Jahren sehen Mediziner den kalorienreichen Nährstoff mit anderen Augen, beziehungsweise differenzierter. Kurz gesagt: Fett ist nicht gleich Fett. Es gibt solches, das dem Körper eher schadet, und solches, das uns fit, klug und gesund macht.

Die Ernährungsmedizinerin Anne Fleck hat darüber ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel: „Ran an das Fett: Heilen mit dem Gesundmacher Fett“. Die Autorin räumt auf über 400 Seiten mit den alten Fett-Mythen auf, präsentiert neue wissenschaftliche Erkenntnisse und erklärt, bei welchen Krankheiten Fett sogar zur Heilung beitragen kann. „Ran an das Fett: Heilen mit dem Gesundmacher Fett“ von Anne Fleck hier bei Amazon bestellen

70 Jahre „Fettarm-Dogma“ zum Schaden der Gesundheit

Mit Vehemenz wendet sich die Spezialistin für Ernährung und Prävention gegen das „Fettarm-Dogma“ und beschreibt, wie seit den 50er-Jahren schlechte Forschung und steile Thesen Fett zum ungesunden Nährstoff erklärten und eine fettreduzierte, kohlenhydratreiche Ernährung propagierten. Die Lebensmittelindustrie sprang begeistert auf den Zug auf und warf fettarme, aber zuckerreiche Lebensmittel auf den Markt.

Bis heute wird Fett von vielen Figurbewussten misstrauisch beäugt. Allerdings wurde auch zunehmend klar, dass man den Teufel Fett (wenn er überhaupt einer war) mit dem Beelzebub Zucker vertrieben hatte. Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs gingen jedenfalls mit all den Fettarm-Produkten nicht zurück, sondern waren und sind weiter auf dem Vormarsch.

In den USA, federführend bei Ernährungstrends und in der Ernährungsforschung, hat die Rehabilitation von Fett zuerst eingesetzt. Seit 2015 ist das strenge Zählen von Fett-Kalorien aus den Ernährungsempfehlungen verschwunden. Eiweiß und Fett werden vielmehr immer öfter in einem Atemzug genannt, wenn es um „gute“ Nährstoffe geht.

Jede Zelle braucht Fett – nur übervolle Fettzellen werden zum Problem

Fett aus der Nahrung ist zunächst einmal ein lebenswichtiger Baustein für alle Zellmembranen, es hilft bei der Vitaminverwertung und füttert das Gehirn. Zum Problem wird es erst, wenn der Organismus durch kohlenhydratreiche Nahrung mit Energie überschwemmt wird, die Fettzellen sich mehr und mehr füllen und dann auch Botenstoffe aussenden, die Entzündungsprozesse befeuern. Die Folge sind: Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes.

Anne Fleck sieht Fett als ernährungsmedizinischen Schlüssel für die Gesundheit jeder einzelnen Körperzelle. Eine gute Auswahl gesunder Fette könne den ganzen Körper stärken und sogar heilen. Minderwertige Fette sollen dagegen aus der Küche und vom Speiseplan verbannt werden.

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Raus mit „schlechtem“ Fett

Minderwertig sind Fette mit einem ungünstigen Verhältnis von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren oder stark bearbeitete Fette.

Möglichst zu meidende Omega-6-betonte Öle sind

  • Distelöl
  • Traubenkernöl
  • Maiskeimöl
  • Sonnenblumenöl

Die Finger sollten Sie auch von Produkten lassen, auf denen von „gehärteten Fetten“, „teilweise gehärteten Fetten“ oder „hydrogeniert“ steht – hier lauern die schädlichen Transfettsäuren.

Ran an die „guten“ Fette

Omega-3-Fettsäuren gelten als bester Indikator für gesunde Fette. Deshalb sind diese Öle zu bevorzugen, und zwar in der kaltgepressten Version:

  • Leinöl
  • Hanföl
  • Walnussöl
  • Rapsöl
  • Olivenöl (lässt sich auch kaltgepresst gut erhitzen)

Gesunde Fette stammen auch aus einigen pflanzlichen Fettlieferanten:

  • Avocado
  • Mandeln
  • Nüsse
  • Samen
  • Oliven

Auch gesättigte Fette sind erlaubt:

  • Butter
  • Schmalz
  • Ghee
  • Kokosfett

Fett statt Pharma: von Akne bis Zahnfleischentzündung

Die Medizinerin Fleck geht davon aus, dass Krankheiten durch Störungen des Zellstoffwechsels entstehen. Und da Fett für die Gesundheit unserer 100 Billionen Körperzellen essenziell ist, liegt die Schlussfolgerung nahe, Krankheiten mithilfe von Fett zu bekämpfen, zu heilen oder besser noch zu verhüten.

Chronische Krankheiten, Schmerzen, Erschöpfung, Arthrose, Multiple Sklerose und sogar Krebs zählt Fleck zu den Behandlungsfeldern. Durch die Anwendung gesunder Öle verspricht sie mehr Energie, größere körperliche und seelische Belastbarkeit, besseren Schlaf, weniger Schmerzen und neue Lebensfreude.

Gesunder Lebensstil wichtig

Wer sich allerdings für Probleme von Neurodermitis über Depression bis Kinderwunsch konkrete Behandlungstipps erhofft, wird enttäuscht. Die Krankheitsbilder und Problemkreise beschreibt die Autorin zwar ausführlich und zitiert zahlreiche Studien, in denen meist Omega-3-Fettsäuren untersucht wurden.

Die Therapiehinweise bleiben dagegen sehr allgemein. Sie verweisen auf die gesunden Öle im Alltag und eben die gelobten Omega-3-Fettsäuren, gern auch hochdosiert als Nahrungsergänzung. Daneben geht es auch immer um gesunden Lebensstil. Denn für sich allein genommen, können auch die besten Fette nichts bewirken.

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