Diät & Essen

Gegen Demenz: Kohlenhydrate haben positiven Einfluss auf die Hirngesundheit

Kohlenhydrate haben im Laufe der Zeit einen immer schlechteren Ruf bekommen.

Von kohlenhydratarmen bzw. fettreichen Diäten bis hin zum restriktiveren Keto-Ernährungstrend: Der wachsende Konsens scheint zu sein, dass Carbs einfach schlecht für den Körper sind.

Eine neue Studie der University of Sydney legt jedoch nahe, dass eine proteinarme bzw. kohlenhydratreiche Ernährung ein gesundes Altern des Gehirns fördern, die Hirngesundheit verbessern und sogar den Ausbruch von Demenz verlangsamen kann.

Kalorienreduktion fällt schwer

Hintergrund der Untersuchung ist, dass die Forscher beobachtet haben, dass sich Menschen in der modernen Welt nur schwer an eine dauerhafte Reduktion der aufgenommenen Kalorien halten können – obwohl es viele wissenschaftliche Beweise für die Vorteile davon gibt.

„Wir blicken auf fast 100 Jahre qualitativer Forschung zurück, in denen die positiven Auswirkungen einer Kalorienreduktion als die beste Ernährungsweise zur Verbesserung der Gehirngesundheit und zur Verzögerung des Ausbruchs neurodegenerativer Erkrankungen immer wieder hervorgehoben wurden", so Devin Wahl, Hauptautor der neuen Studie in einer Mitteilung.

„Die Mehrheit der Menschen hat jedoch Schwierigkeiten, die Kalorienzufuhr zu beschränken. Das gilt insbesondere in westlichen Gesellschaften, in denen Lebensmittel so frei verfügbar sind", erklärt der Experte weiter.

Vier Diäten im Vergleich

Die neue Studie, die an Mäusen durchgeführt wurde, verglich die Auswirkungen von vier verschiedenen Diäten auf das Gehirn.

Die untersuchten Ernährungsweisen unterschieden sich im Protein- und Kohlenhydratgehalt voneinander. Als Vergleich diente eine kalorische Restriktionsdiät von 20 Prozent, die in dieser Form häufig von Ärzten empfohlen wird.

Die Ergebnisse haben gezeigt, dass eine proteinarme Ernährung, die aber einen hohen Gehalt an komplexen Kohlenhydraten enthält, in Sachen Gehirnalterung zu Vorteilen führt, die mit denen einer kalorischen Restriktionsdiät vergleichbar sind.

Unterscheide vor allem im Hippocampus

Die Wissenschaftler untersuchten unter anderem, ob sich die einzelnen Diäten unterschiedlich auf Kognition und Verhalten der Tiere auswirkten. Bei den dafür genutzten räumlichen Bewusstseins- und Gedächtnistests wurden jedoch nur mäßige Verbesserungen beobachtet.

Die offensichtlichsten Unterschiede, die die Forscher ausmachen konnten, waren Veränderungen bei der Genexpression, insbesondere im Hippocampus.

„Der Hippocampus ist normalerweise der erste Teil des Gehirns, der sich bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer verschlechtert", erklärt Studienautor David Le Couteur.

„Die proteinarme Diät mit einem hohen Kohlenhydratanteil schien die Gesundheit und Biologie des Hippocampus in den Mäusen jedoch zu fördern, in einigen Fällen sogar noch stärker die kalorienarme Diät."

Die Ergebnisse passen zu vorangegangenen Untersuchungen der Universität, in denen gezeigt wurde, dass eiweißarme bzw. kohlenhydratreiche Ernährungsweisen mit kalorienarmen Diäten vergleichbar sind, wenn es um die Förderung der kardiovaskulären Gesundheit und der Verlängerung der Lebensdauer geht.

Ein Zusammenhang zwischen gesunder Hirnalterung und einem höheren Kohlenhydratkonsum findet sich auch in anderen Analysen wieder, insbesondere in einer Studie aus dem Jahr 2008, die feststellte, dass kohlenhydratarme Diäten die Wahrnehmung negativ beeinträchtigen können.

Ausgewogene Ernährung ist am besten

Obwohl die Studie keinesfalls betont, dass alle Kohlenhydrate gut sind und wir bei Brot und Pasta unbegrenzt zuschlagen sollten, erinnert sie uns daran, dass gesunde Ernährung gar nicht so einfach ist.

Gesund zu leben ist nämlich komplizierter als einfach nur zu sagen, dass Fett gut ist – und Kohlenhydrate schlecht sind. Ein simples Konzept, dass sich dauerhaft nach strikten Verboten richtet, gibt es dabei einfach nicht.

Judith Kerstgens

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