Diät & Essen

Wohl bekomms

Sandra Maischberger eröffnet die Runde mit dem Wissenschaftsjournalisten Bas Kast. Dessen Ratgeberbuch „Der Ernährungskompass“ hat es bis in die Bestsellerlisten geschafft. An einem gedeckten Tisch darf Kast Lebensmittel mit grünen, gelben und roten Punkten bewerten. Die Punktvergabe ist dabei wenig überraschend – grün gibt es für Vollkornprodukte, Gemüse, Joghurt, Nüsse und fetten Meeresfisch. Frisches Fleisch ist in Maßen ok (gelber Punkt), die Salami bekommt einen roten Punkt.

Immerhin kann Kast Maischberger damit überraschen, dass er Filterkaffee für gesund hält, und dass gut gereifter Käse eine gesundheitsfördernde Substanz namens Spermidin enthält: „Ich hoffe, dass er Ihnen trotzdem noch schmeckt.“ Milch hingegen sei von der Natur erfunden worden „um kleine Babys groß zu machen“. Im Erwachsenenkörper aber wachse bei hohem Konsum womöglich Krebs.

Für die Recherchen zu seinem Buch will Kast „mehrere Tausend“ Studien gelesen haben. Kast selbst hatte seine Ernährung umgestellt, nachdem er beim Joggen eines Tages Herzenge verspürt hatte. Ob das tatsächlich an seinen früheren Essgewohnheiten lag, bleibt allerdings offen.

Heftig kritisiert wird Kasts Buch von einem anderen Gast, dem Psychiater und Theologen Manfred Lütz. „Hier gibt sich etwas als wissenschaftlich aus, was keine Wissenschaft ist“, schimpft Lütz. Zu dogmatisch fallen ihm Kasts Ernährungstipps aus. Er habe zudem mit Ernährungswissenschaftlern gesprochen, die das mit der Milch für Unsinn halten.

Kast bleibt gelassen, lenkt aber ein: Das Thema Milch sei umstritten, bei Gemüse und Fleisch sei die Datenlage klarer. „Ich versuche ja nur, einen gewissen Überblick zu geben.“ Worauf Lütz treffend bemerkt: „Das wussten wir auch schon vorher“.

Tatsächlich fördert die Runde weder wirklich Neues noch Tiefgründiges zu Tage. So berichtet die Schauspielerin Michaela May, dass sie früher Diäten mit Eiern und Grapefruit ausprobiert habe, und dass sie nach einem Stück Schokolade nicht mehr aufhören könne. Mittlerweile hört sie beim Essen mehr in sich hinein und verzichtet außerdem auf Steinobst, weil das Blähungen mache.

Neben ihr sitzt TV-Moderatorin Andrea Ballschuh. Sie sagt, dass sie „auch total gerne esse“, allerdings zuckersüchtig gewesen sei, auch wenn das „wissenschaftlich ja nicht anerkannt“ wäre. Aus ihrer Facebookgruppe wisse sie aber, dass es anderen ähnlich gehe. Erst ein 90-tägiger Verzicht auf zugesetzten Zucker habe sie aus der Abhängigkeit befreit.

Als Susanne Langguth vom Lebensmittelverband BLL gezuckerte Schulmilch verteidigt, regt Ballschuh sich auf: „Das pitscht die Kinder total auf und danach fallen sie in ein Energieloch!“ Zucker aktiviere „die gleichen Zentren wie Alkohol und Kokain“ im Gehirn. Psychiater Lütz mahnt, den Suchtbegriff nicht inflationär zu gebrauchen: „Wir haben jedenfalls noch keine Zuckerentzugsstation in unserer psychiatrischen Klinik.“

Im Gespräch außen vor bleibt bis fast zum Schluss die Internet-Aktivistin Melodie Michelberger: Sie hatte früher Magersucht, heute postet sie auf Instagram Bilder von sich in Unterwäsche, um zu zeigen, dass nicht nur dünn schön sein kann – im Grunde wäre das ein eigenes Thema. Michelberger darf dann immerhin noch sagen, dass sie es problematisch findet, Lebensmittel in gesunde und ungesunde einzuteilen, weil dadurch leicht das Gefühl entstehe, etwas falsch zu machen: „Die Schlankheitsindustrie freut sich dann über unsere Unsicherheiten.“ Den Genuss dürfe man beim Essen nie vergessen.

Das Thema Ernährung, das zeigt sich bei Maischberger, ist zwar kompliziert, aber nur dann, wenn man krampfhaft meint, wirklich alles richtig machen zu müssen. Dass aber zuckerhaltige Limonaden eher schlecht, Obst, Gemüse und Vollkornprodukte eher gut sind, darauf kann sich auch die Runde schnell einigen. Bei anderen Lebensmitteln und vor allem bei Fertigprodukten im Supermarkt fällt den meisten die Beurteilung schwerer. Die oft geforderte Lebensmittelampel wäre eine sinnvolle Lösung, um Verbrauchern das Leben leichter zu machen.

In der Runde hat dann noch die Vertreterin der Lebensmittelindustrie einen guten Tipp für alle, die keine echten Probleme mit ihrer Ernährung haben, sich aber trotzdem ständig darüber den Kopf zerbrechen. Kompliziert ist der nicht: „Iss das, was dir schmeckt – und denke ein bisschen darüber nach, wie viel und wovon.“

Quelle: Den ganzen Artikel lesen