Gesundheit

Belgische Apothekerkammer soll eine Million Euro zahlen

DieApothekerkammer Belgiens ist ins Fadenkreuz der Wettbewerbshüter geraten. Siesoll versucht haben, die Entwicklung der MediCare-Market-Gruppe zu behindern.Dafür hat die Wettbewerbsbehörde des Landes nun eine Geldbuße in Höhe von einerMillion Euro verhängt.

DerWettbewerbsausschuss der belgischen Wettbewerbsbehörde (BCA) hat der Apothekerkammerdes Landes „Ordre des pharmaciens – Orde der apothekers“ eine Geldstrafevon einer Million Euro aufgebrummt.  Damitsollen wettbewerbswidrige Praktiken der Kammer sanktioniert werden. NachMeinung BCA soll sie versucht haben, die Entwicklung der MediCare-Market-Gruppeauf dem Markt für Apothekerdienstleistungen zu behindern oder diese völlig zuverdrängen. Nacheinem Bericht im „Echo“ soll die in Belgien expandierendeMediCare-Market-Gruppe derApothekerkammer von Anfang an einen Dorn im Auge gewesen sein.

Laut„Echo“ betreibt diese in Belgien derzeit insgesamt 32 Apotheken-Geschäfte,darunter 16 Apotheken-Supermärkte und 16 Parapharmazien mit rund 400Beschäftigten. Eigenen Angaben zufolge betreibt MediCare-Market auch einen sehr aktiven Internet-Handel. 2017 soll das Unternehmen mehr als 50 Millionen Euro umgesetzt haben. Unter anderem mit einem Verweis auf die Preispolitik gibt das Unternehmen an, die Gesundheitsversorgung „demokratisieren“ zu wollen.

Kammerals Hüterin des Verhaltenskodexes

Wieder Pressemitteilung der Wettbewerbsbehörde zu entnehmen ist, war die Kammer abOktober 2015 gegen die MediCare-Market-Gruppe vorgegangen und hatte versucht,diese disziplinarisch zu belangen. Außerdem war eine gerichtliche Verfügungbeantragt worden, mit der eine Verwechslungsgefahr zwischen den Apotheken undParapharmazien (OTC-Shops) des Konzerns vorgebracht wurde, insbesondere dort, wo diese zusammenhängendsind.

DieUntersuchung des Falls durch die Ermittlungs- und Strafverfolgungsabteilung derBCA wurde Ende April 2016 begonnen und Ende Oktober 2018 abgeschlossen. Inihrem Entscheidungsentwurf von Ende Mai 2019 stellte die Abteilung fest, dass derNationalrat des „Ordre des pharmaciens“ für die Entwicklung des Verhaltenskodexesverantwortlich und „Hüter der nichtkommerziellen Natur des Apothekerberufs“sei. Zwischen Oktober 2015 und Januar 2017 soll die Kammer gegenwettbewerbsrechtliche Bestimmungen verstoßen haben, indem sie eine Strategieverabschiedete und umsetzte, um die wirtschaftlichen Interessen der Mehrheitseiner Mitglieder zu verteidigen. Unter anderem soll versucht worden sein, vonder Medicare-Market-Gruppe Mindestpreise für die Arzneimittel zu verlangen. DerMarkt für Apothekerdienstleistungen sie stark reguliert und der Preiswettbewerbeingeschränkt. Der Eintritt neue Akteure, wie der MediCare-Market-Gruppe, indiesen Markt solle den Wettbewerb beleben, so die Auffassung der Ermittler.

Gesamtstrategieim Fokus der Kritik

DerWettbewerbsausschuss hat diese Auffassung nun bestätigt. Die Kritik derWettbewerbshüter wird nicht unbedingt an den rechtlichen Schritten der Kammergegen die MediCare-Market-Gruppe selbst festgemacht, sondern an deren Gesamtstrategie.Diese basiere auf einer Reihe von Maßnahmen, einschließlich der Verweisung andie Disziplinargremien, die Einleitung einer gerichtlichen Verfügung, dieöffentliche Verbreitung von Drohgebärden usw. und ziele darauf ab, das Modelldes MediCare-Marktes zu verdrängen und die Entwicklung vergleichbarerGeschäftsmodelle zu verhindern. Die rechtlichen Schritte des Nationalrates des„Ordre des Pharmaciens“ seien an sich nicht wettbewerbswidrig, aber sie seien ebenTeil der wettbewerbswidrigen Strategie.

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