Gesundheit

Mein liebes Tagebuch

E-Rezept rauf und runter – ganz klar, das E-Rezept hat diese Woche beherrscht. Der Versender DocMorris, der sich auf Plakaten schon seit Wochen mit dem E-Rezept schmückt, will mit dem E-Rezept kräftig wachsen. Mit GERDA, dem E-Rezept-Modellprojekt von Kammer und Verband aus Baden-Württemberg, geht’s nun richtig los – auch wenn’s noch klemmt. Wohl ähnlich wie bei über 50 anderen Modellprojekten zum E-Rezept in der Republik. Denn so richtig weiß noch keiner wie’s am Ende aussieht. Wer das Rennen macht? Ganz klar derjenige, der die endgültigen Spielregeln fürs E-Rezept am besten umsetzt. Aber diese Regeln, die gibt’s von der Gematik erst Mitte 2020. Und ein Makelverbot haben wir immer noch nicht.

4. November 2019

Walter Oberhänsli, Chef der Schweizer Zur Rose-Gruppe, zu der auch der Versender DocMorris gehört, schaut gar arg optimistisch in die Zukunft. ER hat große Pläne. Wie er dem Schweizer Finanzmagazin „The Market“ in einem Interview erklärte, will er den Umsatz seines Konzerns bis 2022 im Vergleich zu 2018 verdoppeln! Zur Orientierung: Der Umsatz des gesamten Konzerns  soll in den ersten neun Monaten 2019 auf rund 1,16 Milliarden Franken (etwa 1,05 Milliarden Euro) gestiegen sein. Ja, mein liebes Tagebuch, wer kann heute noch solche Umsatzziele ausgeben? Eben, wohl nur Arzneimittelversender. Nun, wir wissen alle: Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Aber dennoch ist es nicht verkehrt, die Aktivitäten solcher Versender im Blickfeld zu beachten. Sein Ziel der Umsatzverdopplung will Oberhänsli auf vier Wegen erreichen. Erstens: durch die Übernahme von anderen Versendern. Zweitens durch die „Konversion“ der OTC-Kunden ins Rx-Geschäft – Konversion, ein netter Begriff für kräftige Kundenbearbeitung, oder? Drittens: Wachstum durch das Marktplatz-Modell. Für diese Strategie hat die Zur Rose-Tochter DocMorris bereits in Südeuropa  Promofarma übernommen – das ist eine Verkaufsplattform, auf der Vor-Ort-Apotheken gemeinsam ihre Waren anbieten und Zur Rose verdient daran. Und der vierte Wachstumseffekt soll, na klar, aus der Einführung des E-Rezepts kommen. Und da kriegt Oberhänsli glänzende Augen, wenn er nach Schweden guckt, wo der Rx-Versand seit 2012 nach Einführung des E-Rezepts jährlich um 50 Prozent gewachsen sein soll – durch gezielte Marktbearbeitung, wie es Oberhänsli nennt. Mein liebes Tagebuch, DocMorris macht ja bekanntlich jetzt schon viel Wind und Stimmung fürs E-Rezept. Aber lassen wir uns dadurch nicht kirre machen – ich hoffe, unser Apothekerverband und unsere Anbieter für E-Rezept-Apps werden kräftig dagegen halten.

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