Fitness

FFP2-Masken und Homeoffice: Lockdown-Plan: Die härteren Corona-Maßnahmen im Überblick

Bereits am Montagabend sickerte durch, dass Bund und Länder härtere Corona-Maßnahmen in den kommenden Tagen umsetzen wollen, um die Pandemie entgültig einzudämmen – vor allem die Mutation B1.1.7., die noch ansteckender als Sars-CoV-2 ist, gibt dazu Anlass.

Doch was bedeutet ein verschärfter Lockdown? Beschlossen werden sollen eine bundesweite nächtliche Ausgangssperren, FFP2-Maskenpflicht im Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr sowie strengere Kontaktverbote.

Aber auch von einer Aufhebung der Präsenz in Kitas und Schulen sowie ein Mehr an Homeoffice ist die Rede.

FOCUS Online liegt eine Beschlussvorlage zu den geplanten Corona-Maßnahmen vor. Ob sie wirklich erfolgsversprechend sind? Eine studienbasierte Einschätzung und ein Überlick:
 

1. Kontaktverbote

„Die Bundeskanzlerin und die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder bitten alle Bürgerinnen und Bürger dringend, auch in den nächsten drei Wochen alle Kontakte auf das absolut notwendige Minimum zu beschränken und soweit möglich zu Hause zu bleiben. Private Zusammenkünfte sind weiterhin im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstandes und mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person gestattet.“

Grundsätzlich gilt: Je weniger Kontakte, desto geringer die Infektionsgefahr.

Dieser Tatsache sind also nicht nur die Kontaktbeschränkungen geschuldet, Menschen sind laut Beschlussvorlage weiterhin dazu aufgerufen, sich nur mit einer weiteren Person eines fremden Haushalts zu treffen.

Eine Verschärfung dieser Kontaktregel sieht die Vorlage nicht vor, auch bundesweite Ausgangssperren sind nicht geplant.

Da insbesondere bei Zusammenkünften zu später Stunde häufiger Abstands- und Maskenregeln missachtet werden, kam in den vergangenen Tagen die Diskussion um eine bundesweite Ausgsangssperreauf.

Indem man die Menschen mit Ausgangssperren etwa ab 21 Uhr, wie in Bayern und Baden-Württemberg, an solchen Treffen hindert, sinkt die Infektionsgefahr.

In anderen Ländern sind die Ausgangsbeschränkungen noch strenger – so dürfen Menschen in Frankreich etwa seit Samstag, 16. Januar, ab 18 Uhr ihre Wohnungen nicht mehr verlassen.

Solche strengen Ausgangssperren führen allerdings auf der anderen Seite dazu, dass viele Menschen ihre Besorgungen dann nur noch ein einem kürzeren Zeitraum erledigen können, etwa alle zur gleichen Zeit einkaufen gehen.

Gedränge im Supermarkt könnte die positiven Effekte von Ausgangssperren demnach zunichte machen. Wie groß der Effekt auf die Ansteckungsrate ist, können Wissenschaftler demnach zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Im Dezember kam Oxford-Wissenschaftler im Rahmen einer ‚Science‘-Studie zum Schluss, dass die Beschränkung von Versammlungen auf weniger als 10 Personen und die Schulschließung während der ersten Welle die wirksamsten nicht-pharmazeutischen Maßnahmen waren, um die Übertragung von Sars-CoV-2 zu stoppen.

Ausgangssperren hätten den Modellrechnungen nach dagegen nur eine geringe Zusatzwirkung erzielt.
 

2. Verschärfte Maskenpflicht mit FFP2-Masken

„…vor dem Hintergrund möglicher besonders ansteckender Mutationen weisen Bund und Länder darauf hin, dass medizinische Masken (also sogenannte OP-Masken oder sogar virenfilternde Masken der Standards KN95 oder FFP2) eine höhere Schutzwirkung haben als Alltagsmasken, die keiner Normierung in Hinblick auf ihre Wirkung unterliegen. Deshalb wird die Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in Geschäften verbindlich auf eine Pflicht zum Tragen von medizinischen Masken konkretisiert.“

Im Gegensatz zu einfachen Stoffmasken filtern FFP2-Masken die Viruspartikel, also Aerosole aus der Luft. Werden sie richtig getragen, sogar rund 95 Prozent aller Partikel. Damit ließe sich die Ansteckungsgefahr also deutlich minimieren.

„Der Mund-Nasen-Schutz (MNS, OP-Maske) schützt den Träger und sein Gegenüber vor Atemwegsinfektionen, die durch Tröpfchen übertragen werden, Atemschutzmasken (FFP2- und FFP3-Masken) schützen dagegen den Träger vor Atemwegsinfektionen, die aerogen (durch Aerosole) übertragen werden“, schreiben Forscher auf der Website des Nationalen Zentrums für Biotechnologieinformation.

Problematisch ist jedoch, dass hier (wie bei allen Masken) Luft an undichten Stellen eindringen kann. Es ist deshalb sehr wichtig, die Maske nur mit sauberen Händen vom Kinn über Mund und Nase zu ziehen- und auch den Nasenbügel zu biegen, damit hier keine Lücke entsteht.

Mindestens genauso wichtig ist die Desinfektion, sollten die Masken häufiger getragen werden. Die FH Münster hatte etwa die Wirksamkeit von FFP2-Masken untersucht und empfiehlt, die Maske für eine Stunde bei 80 Grad im Ofen zu desinfizieren. Alternativ sollten die Masken eine Woche bei Raumluft trocknen.

3. Recht auf Homeoffice

„Angesichts der pandemischen Lage ist auch die weitere Reduzierung von epidemiologisch relevanten Kontakten im beruflichen Kontext erforderlich. Dazu wird das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine Verordnung erlassen, wonach Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber überall dort, wo es möglich ist, den Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen müssen, sofern die Tätigkeiten es nach ihrer eingehenden Prüfung zulassen.“

„Gehen Sie nicht ins Büro, wenn Sie nicht zwingend müssen!“, forderte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag Arbeitnehmer zum Homeoffice auf. An Arbeitgeber richtete er den dringenden Appell, Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen.

Laut Beschlussvorlage wird es vorerst dennoch keine Homeoffice-Pflicht geben.

Dass die Ansteckungsgefahr insbesondere in Großraumbüros jedoch groß ist, hatten bereits im Mai koreanische Wissenschaftler nachgewiesen. In Seoul hatte ein Mitarbeiter die Hälfte seiner Kollegen angesteckt, insgesamt 94 Personen.

Als mögliche Ursache nannten die Forscher neben dem geringen Abstand der Mitarbeiter ebenfalls die Luftzirkulation. In dem Bürogebäude, einem Wolkenkratzer, hätten sich die Viren über die Klimaanlage leicht verbreiten können. Ihre Studie veröffentlichten sie auf der Seite der Centers for Disease Control and Prevention.

„Dieser Ausbruch ist alarmierend und zeigt, wie ein Arbeitsumfeld mit großer Dichte zu einem Ort mit hohem Risiko für die Verbreitung von Covid-19 werden und wo Sars-CoV-2 außerordentlich ansteckend sein kann“, erklären die Wissenschaftler im Bericht.
 

4. Weniger Betrieb im öffentlichen Nahverkehr

„Das Ziel von Bund und Ländern ist es, die Kontakte im öffentlichen Personenverkehr so zu reduzieren, dass das Fahrgastaufkommen ein Drittel der regulären zulässigen Fahrgastzahlen in einem Beförderungsmittel üblicherweise nicht übersteigt und so in der Regel Abstände gewahrt werden können. Dieses Ziel soll durch weitgehende Nutzung von Homeoffice-Möglichkeiten, die Entzerrung des Pendleraufkommens in den Stoßzeiten und -wo möglich und nötig- durch zusätzlich eingesetzte Verkehrsmittel sowie durch die Reduzierung des Präsenzbetriebes in Bildungseinrichtungen erreicht werden.“

Ein Umfeld mit noch größerer Dichte als Büros sind etwa U-Bahnen und Busse – der öffentliche Nahverkehr.In den engen Waggons sammeln sich Aerosole, zudem können sich im engen Gedränge zu Stoßzeiten Menschen gefährlich nahe und es zu Übertragungen kommen.

Auch um dort Ansteckungen zu vermeiden ist es wichtig, dass noch mehr Menschen von zuhause arbeiten. Denn im engen Gedränge kommen sich Menschen gefährlich nahe und es kommt leichter zu Übertragungen.

Weniger groß ist laut Wissenschaftlern hingegen die Gefahr von Schmiereninfektionen.

Britische Forscher hatten hierzu untersucht, wie hoch das Risiko ist, sich beim Berühren von Griffen und Fahrscheinautomaten oder im Gedränge der Züge anzustecken.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Imperial Collage London analysierten über einen Zeitraum von vier Monaten Proben aus Luft und Oberflächen in Londons Bussen und U-Bahnen.

Dabei konnten sie für den Oktober und September keine Spuren des Virus nachweisen.
 

5. 15-Kilometer Radius als lokale oder regionale Maßnahme

„In Ländern bzw. Landkreisen, die aufgrund ihrer hohen 7-Tages-Inzidenz bis zum 15. Februar absehbar die Inzidenz von 50 nicht unterschreiten können, werden die Länder nunmehr auch unterhalb einer Inzidenz von 200 solange und so umfangreich weitere lokale oder regionale Maßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz ergreifen, insbesondere Ausgangsbeschränkungen und/oder die Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 km um den Wohnort, dass eine entsprechend schnelle Senkung der Infektionszahlen erreicht wird.“

Bislang durften sich in Hotspots, also Kreisen mit einer Inzidenz von über 200, dürfen sich Menschen nur noch in einem Radius von 15 Kilometern bewegen – denn Mobilität verteilt das Virus. Künftig könnte diese Regel auch für Kreise mit einer niedrigeren Inzidenz gelten.

Denn problematisch wird es laut Experten besonders dann, wenn Menschen aus Kreisen mit einer hohen Inzidenz in welche mit einer geringeren reisen und das Virus dort „hintragen“. Mobilitätsforscher Kai Nagel hält die Radius-Regel demnach für sinnvoll, wie er gegenüber dem ‚Tagesspiegel‘ sagte.

Im Frühjahr habe man besonders bei Rückkehrern aus dem Skiurlaub gesehen, dass Menschen aus Gebieten mit hoher Inzidenz das Virus in Gebiete mit niedriger Inzidenz einschleppten. Eine Mobilität zwischen Regionen mit unterschiedlichen Inzidenzwerten sollte also vermieden werden, so Nagel.

Trotzdem bemängelte er die Durchsetzung der neuen Regelung: „DerInzidenz-Grenzwert für Hotspots sollte nicht 200 betragen, sondern deutlich weniger.“

Andere Wissenschaftler kritisierten, dass der Radius von 15 Kilometern zudem zu groß sei, um eine Wirkung zu erzielen.
 

Virologe sieht die Durchsetzung des 15-Kilometer-Radius schwierig

Virologe Martin Stürmer sieht die Durchsetzung der Regel ebenfalls kritisch, die Idee habe einen großen Schwachpunkt. „Sie kann das Gegenteil bewirken“, erklärte er unlängst gegenüber FOCUS Online.

„Wenn man etwa in Ballungsräumen die Bewegungsfreiheit begrenzt, dann sammeln sich erst recht wieder mehr Menschen. Denn vielleicht gibt es dort nur einen großen Park, ein Waldgebiet oder einen Spielplatz – und da halten sich dann natürlich alle auf.“

Somit kämen sich alle wieder näher – die Maßnahme wäre kontraproduktiv. „Dadurch verhindern wir die Verteilung der Menschen in der freien Natur“, erklärt Stürmer.

Man wolle ja, dass alle weiter nach draußen an die frische Luft gehen.
 

6. Schließung von Kitas und Schulen

„Betrieb von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen hat höchste Bedeutung für den die Bildung der Kinder und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern. Geschlossene Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, ausgesetzte Präsenzpflicht bzw. Distanzunterricht in Schulen über einen längeren Zeitraum bleibt nicht ohne negative Folgen für die Bildungsbiographien und die soziale Teilhabe der Kinder und Jugendlichen. Dennoch gibt es ernst zu nehmende Hinweise, dass die Mutation B.1.1.7 des Sars-CoV2-Virus sich auch stärker unter Kinder und Jugendlich verbreitet, als das bei dem bisher bekannten Virus der Fall ist. Daher werden bis 15. Februar die Schulen grundsätzlich geschlossen.“

„Schulen und Kitas offen halten“, lautete lange die Devise der Politik – „wenn es irgendwie geht“.

Diese Strategie führte jedoch nicht zum Erfolg, mittlerweile befinden sich in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen Millionen von Schülern im Homeschooling, eine Rückkehr zum Präsenzunterricht ist vorerst nicht abzusehen.

Bis zum 15. Februar sollen die Schulen laut Beschlussvorlage demnachgeschlossen bleiben.

Dass Schulen dennoch lange offen blieben oder bleiben sollten, begründeten Politiker nicht nur mit der Notwendigkeit von Präsenzunterricht. Denn unter Kindern gestaltet sich das Infektionsgeschehen tatsächlich anders, als etwa bei Erwachsenen.

Untersuchungen zeigten eine geringe Rate symptomatischer Infektionen bei Kindern und Jugendlichen – häufig hatten diese keine oder nur sehr milde Symptome. Zu schweren Verläufen kommt es hingegen seltener.

Dennoch müssen Schulen und Kitas als Infektionsquelle berücksichtigt werden. Denn Schulkinder haben viele und häufig enge Kontakte, sie erkranken selbst zwar seltener, stecken sich und andere aber genau so leicht wie Erwachsene an. Das ist gefährlich, den symptomlos Infizierte werden seltener getestet und können das Virus so unbemerkt verbreiten.

Wie Kinderarzt Stefan Renz erklärte, wurden etwa in einer Studie aus Bayern Blutproben von knapp 16.000 Kindern zwischen zwei und zehn Jahrenuntersucht. „Die Forscher fanden in den Proben sechsmal häufiger Antikörper gegen Sars-CoV-2, als es die Zahl der erkrankten Kinder hätte vermuten lassen“, erklärte Renz.

Viele der Kinder waren also infiziert und hatten bereits Antikörper gegen das Virus gebildet.

„Weil sie aber symptomfrei waren, hatte niemand etwas von der Erkrankung mitbekommen“, so der Kinderkardiologe. Man könne daraus schließen, dass es unter Kindern sehr viel mehr Infektionen gebe, als wir es bisher vermutet haben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf FOCUS.de.

Focus.de Redaktion

*Der Beitrag „FFP2-Masken und Homeoffice: Lockdown-Plan: Die härteren Corona-Maßnahmen im Überblick“ wird veröffentlicht von FitForFun. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen