Gesundheit

Der glykämische Index – ein Wert mit Tücken

Der Wunsch, möglichst mühelos abzunehmen, ist der Nährboden für viele, zum Teil fragwürdige Diätvorschläge und Ernährungstipps. So verspricht die „Glyx-Diät“ mit ihrem einprägsamen Wortspiel „Glücksgefühle“. Grundlage für dieses Diätkonzept ist der „glykämische Index“ als Bewertungsmerkmal für Lebensmittel. Was steckt hinter dem wissenschaftlich klingenden Begriff und welche Argumente gibt es für oder gegen die daraus abgeleitete Ernährungsweise?

Seit einigen Jahren liegen Kohlenhydrat-arme Diäten („Low-Carb“) im Trend. Verpönt sind bei dieser Diätform vor allem Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schnell in die Höhe treiben. Aber woran lassen sich Lebensmittel erkennen, die diese unerwünschten Kohlenhydrate enthalten? Und welche Kohlenhydrate sind „gut“ und damit „erlaubt“?

Als Orientierung dafür bot sich ein Konzept an, das Mediziner ursprünglich für Diabetiker entwickelt hatten: Es war die Idee, allen Lebensmitteln einen „Glykämischen Index“ zuzuordnen. Glykämie bedeutet „normaler Zuckergehalt des Blutes“, das Adjektiv glykämisch ist daraus abgeleitet.

So wird er definiert und berechnet

Der Glykämische Index ist ein Maß für die Höhe des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit. Der Wert wird in Prozent ausgedrückt. Um ihn zu berechnen, misst man in einem definierten Zeitraum den Verlauf des Blutzuckeranstiegs nach dem Verzehr von 50 Gramm Kohlenhydraten aus einem bestimmten Lebensmittel. Als Vergleichs- und Bezugswert dient der nach Verzehr von 50 Gramm Glucose gemessene Blutzuckerspiegel, der mit 100 Prozent angesetzt wird. Je niedriger der Index, umso günstiger ist dieses Lebensmittel für den Organismus, heißt die Botschaft, die sich aus den Messungen ableitet.

Aussagekraft für Alltag fraglich

Aus Experimenten und vielen Berechnungen heraus entstanden umfangreiche Tabellen. Die aufgelisteten Werte überraschten bei näherer Betrachtung selbst Ernährungsexperten und waren von Laien schwer zu verstehen. Der glykämische Index von zum Beispiel Weißbrot war mit dem Wert 70 fast genauso hoch wie der von Wassermelonen mit einem Index von sogar 72. Die doch eigentlich so gesunden und kalorienarmen Karotten lagen bei erstaunlichen 47. Die Erklärung dafür war schnell gefunden: Der Wert bezieht sich – so war er ja auch definiert – immer auf 50 Gramm Kohlenhydrate. Die Menge an Kohlenhydraten, die für den menschlichen Körper verwertbar sind, kann aber in den einzelnen Lebensmitteln sehr unterschiedlich sein.

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50 g Gramm Kohlenhydrate befinden sich zum Beispiel in 100 Gramm Weißbrot, das entspricht einer alltagsüblichen Portion. Um 50 Gramm Kohlenhydrate aus Karotten oder Wassermelonen zu sich zu nehmen, müsste man dagegen schon eine Portion von 500 bis 700 Gramm auf einmal verzehren, eine eher unrealistische Menge, die nicht gerade typisch für eine Mahlzeit ist. Es zeigte sich: Zahlen, die sich immer auf 50 Gramm Kohlenhydrate beziehen, taugen nicht wirklich dazu, die einzelnen Lebensmittel aufgrund ihrer unterschiedlichen Nährstoffdichte zu beurteilen und zu bewerten.

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