Gesundheit

Die Pest kam aus Kirgisistan – Rätsel um Ursprung der Seuche gelöst

Ihr Name ist Bačaq. Und ihre Geschichte schreibt Geschichte. 

Bačaq. So hieß sie, diese zierliche Frau, gerade einmal gut 1,40 Meter groß. Bačaq, die in ihren 40ern war, als sie in Kirgisistan verstarb. Eine von 114 Menschen, die binnen zwei Jahren auf dem Friedhof Kara-Djigach zu Grabe getragen wurden. Das war 1338  oder 1339. Fast 600 Jahre später sind es ihre Überreste, die nun eines der größten Rätsel der Medizin gelöst haben sollen – den Ursprung der Großen Pest.

Die Pest ist uralt. Den Erreger gab es wohl schon in der Bronzezeit. Und Genanalysen belegen, dass die Pest bereits seit etwa 4000 Jahren unter den Menschen verbreitet ist. Die sogenannte Justinianische Pest , die Mitte des 6. Jahrhunderts den Mittelmeerraum erschütterte, gilt als erste historisch gesicherte Pestepidemie. Zwischen 1346 und 1353 hinterließ die sogenannte Große Pest in Europa eine Schneise aus Tod und Verderben. Die erste große Welle dauerte etwa sechs Jahre. Schätzungen gehen davon aus, dass währenddessen bis zu 60 Prozent der Bevölkerung des europäischen Kontinents dem Schwarzen Tod erlag. Die Pandemie hielt die Menschen fünf Jahrhunderte lang in seinem Bann. Der letzte größere Ausbruch in Europa fand in Marseille statt, dauerte zwei Jahre und endete 1722. Doch die sogenannte Zweiten Pestpandemie dauerte bis ins frühe 19. Jahrhundert an. Was am Ende blieb, war die Frage: Woher kam der Erreger?

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Von der Pest, der Spanischen Grippe und Corona: Die Geschichte der Seuchen

1338, das Jahr in dem die Pest ausbrach

Die Antwort darauf, wo die Ursprünge der Großen Pest, die im Mittelalter wütete, liegen, will eine internationale Forschungsgruppe um die Archäogenetiker Maria Spyrou und Johannes Krause jetzt gefunden haben. "Es ist uns gelungen, den Ursprungsstamm des Schwarzen Todes und seinen genauen Ausbruchszeitpunkt – das Jahr 1338 – zu bestimmen",  erklärt Spyrou, Erstautorin der Studie in einer Pressemitteilung. Die Ergebnisse ihrer interdisziplinären Spurensuche ist nun im renommierten Fachblatt "Nature" vorgestellt worden. 

Zwei der populärsten Theorien sehen China oder Zentralasien, dem heutigen Kirgisistan, als Quell des Bösen, dem Ursprungsort der Großen Pest. Der Kirgisistan-These ging das Team um Spyra und Krause nach. Startpunkt der Spurensuche: ein Friedhof nahe dem Yssykköl-See in den Ausläufern des Tian Shan-Gebirges. Dort hatten Archäologen bereits vor beinahe 140 Jahren Grabsteine entdeckt, die sie zum Grübeln brachten. Denn die Inschriften ließen vermuten, dass es Mitte des 14. Jahrhunderts zu einer Häufung von Todesfällen kam. Auch ein Warum ist in auf einigen Steinen zu finden. Auf diesen ist von einer Pestilenz die Rede. Das Team der Wissenschaftler:innen nahm sich der Überreste erneut an.

Anfänge der Pest in Kirgisistan

In St. Petersburg fanden die Forscher, was sie brauchten: Gen-Material. Im Museum für Anthropologie und Ethnografie lagern Überreste von Menschen, die aus der Region des Yssykköl-See stammen. Das Forscherteam um Krause entnahm Proben aus Zähnen von fünf Menschen, darunter Bačaq, analysierte diese im Labor in Leipzig und fand tatsächlich in einigen die Pest. Genauer: DNA des Bakteriums Yersinia pestis. Und mit ihr fanden sie Gewissheit. Denn am Ende von weiteren Analysen und dem Abgleich mit 203 modernen und 47 historischen Genomen dieser Art wussten die Forschergruppe, dass dieser Peststamm aus Kirgisistan, der ist, mit dem alles anfing.

Es konnte demnach auch nachgewiesen werden, dass alle anderen Peststämme, die später für ein Massensterben sorgten, auf eben diesen Erreger aus Yssykköl zurückgehen. So auch der Bakterienstamm, der für den letzten größeren europäischen Ausbruch verantwortlich zeichnet, scheint ein "Nachfahre" des Stamms aus Kirgisistan zu sein. Drei Jahrhunderte liegt dieser Ausbruch nun zurück. Dennoch: Ausbrüche gibt es immer wieder, beispielsweise in Madagascar.  Inzwischen ist die Medizin aber ein gutes Stück weiter. Heutzutage kann die Pest mit Antibiotikum behandelt werden.

Quelle: Max Planck Gesellschaft,Nature, Scientific American, Spektrum

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