Gesundheit

Gestresst und genervt in der Coronakrise? Wir jammern nur, weil wir es können!

Ich jammere gerne und oft. Über was, ist eigentlich egal. Irgendeine Tragik entdecke ich immer in meinem Millennial-Leben. Zum Beispiel, dass es mir nicht gelingt, genug Wasser zu trinken, dass meine Wohnung keine Badewanne hat oder dass eine frisch gekaufte Avocado verfault ist. Ich finde es völlig in Ordnung zu jammern. Menschen, die aus jeder negativen Begebenheit neue Inspiration und Kraft schöpfen, erscheinen mir zwar bewundernswert, dabei aber oft seltsam gekünstelt. Seht euch die Lesson eines Motivationscoaches an. Vielleicht wisst ihr dann, was ich meine. 

Es gibt allerdings eine kleine, inoffizielle Regel, die Liebhaber des Jammerns kennen sollten: Du musst dir deiner privilegierten Stellung bewusst sein. Jammern macht nur dann Spaß, wenn es eigentlich wenig Grund dazu gibt. Es ist ein snobistisches und deshalb höchst unsympathisches Hobby. Denn, wie schon Aristoteles und Sigmund Freud nicht gesagt haben, sondern ich einfach nur vor mich hin jammere: Wer viel jammert, dem geht es eigentlich ganz gut. Wem es wirklich schlecht geht, der jammert nicht. Der ändert etwas, weil er es sonst nicht aushält, spart seine Kräfte für etwas anderes auf oder hat gar keine Zeit, um zu jammern.

Zwischen Haushalt und Homeoffice

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Todkranke Menschen jammern nicht, weil ihnen die noch verbleibende Zeit zu kostbar ist. Auch Ärzte jammern nicht, dass sie gerade total im Stress seien und sich erst mal zehn Minuten hinlegen und einen Chai Latte trinken müssten, bevor sie den nächsten Corona-Patienten an ein Beatmungsgerät anschließen können. Wer aber jammert, sind wir. Weil wir in der Coronakrise mit unserem MacBook auf unserem Sofa sitzen und aus dem Homeoffice arbeiten müssen. Ja, ich spreche hier ganz bewusst uns privilegierte Jammerlappen an. Wir jammern nur, weil wir es können.

Kein Skiurlaub über Ostern, nur wegen Corona. Keine Smoothie-Bowl im Lieblingsbrunch-Café, nur wegen Corona. Kein neuer Spliss-Schnitt mit Farbauffrischung, nur wegen Corona. Nur damit wir alle gesund bleiben und nicht tausende Menschen auf einmal erkranken und das Gesundheitssystem überlasten. Danke, Merkel. 

Wie gefangen in unseren Altbauwohnungen mit einem Partner, der bei Tageslicht gar nicht mehr so gut aussieht 

Stattdessen sitzen wir wie gefangen in unseren Altbauwohnungen, Vorstadt-Häusern mit Garten und auf unserem Balkon in der Sonne. Jammern, dass Netflix langweilig geworden ist, das vierlagige Klopapier ausverkauft war und der Lieferdienst jetzt eine Stunde länger braucht als sonst. Da trifft es sich ganz gut, dass es auch ein Hobby von uns ist, schlechte Online-Bewertungen zu schreiben. Dass der Partner bei genauerer Betrachtung im Tageslicht doch nicht mehr so gut aussieht und innerhalb von 24 Stunden nur zwei schlaue Sätze gesagt hat (und die im Schlaf), fällt manchen auch erst jetzt auf. Wann verbringt man schon mal so viel Zeit miteinander? In der Isolation soll man auf einmal miteinander sprechen. Schon tagsüber! Und dabei auch noch seinem Job nachgehen. Vor lauter Gejammer komme ich kaum dazu, etwas anderes in diesen Text zu schreiben. 

Bevor ich fortfahre, muss ich kurz bei WhatsApp noch drei Freundinnen antworten, dass ich auch total gestresst bin. Und dann erst mal den Kopf freibekommen. Ich habe keine Kinder, die ich unterrichten, erziehen und unterhalten muss und bin die Arbeitszeit über allein mit meiner Existenz. Das ist extrem hart. Es ist wirklich anstrengend in meinem Kopf. Und auch sehr laut. Ich weiß gar nicht, mit welcher der Stimmen ich zuerst sprechen soll. Zwischendurch muss ich immer noch genug Zeit einplanen, um mich in Selbstmitleid zu suhlen. Und mich für den Videocall vernünftig hinsetzen. Das sieht ja sonst aus, als würde ich nicht arbeiten. Dabei bin ich gestresst und das kann auch ruhig jeder sehen. Ich gehe jetzt erst mal Kaffee holen. Das Homeoffice entzieht mir jede Energie.

Aber ich bin nicht die Einzige. Von den Schicksalen meiner Mitbürger lese ich in sozialen Netzwerken: Wirre Träume, ausverkaufte Rittersport-Schokolade, dann hat sich die Katze auch noch auf das 1000-Teile-Puzzle gesetzt. Auf Twitter ertrinken sie in ihrem Selbstmitleid, auf Instagram backen sie Bananenbrot daraus. Das kann man wenigstens noch essen. Das Selbstmitleid ist einfach nur da.

Ich würde den Text gerne mit etwas Positivem beenden. Aber ich musste jammern und tippen. Gleichzeitig! Das war wirklich sehr anstrengend. Und jetzt ist auch noch mein Fuß eingeschlafen.

Heute Abend stelle ich mich vielleicht auf den Balkon und klatsche ein bisschen. Für die anderen, die wirklich Grund zum Jammern hätten.

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