Gesundheit

Immer mehr Kinder im Krankenhaus: Das Omikron-Rätsel von Südafrika

In Südafrika beunruhigt das Omikron-Rätsel vor allem wegen einer Sache: Kinder, die zuvor kaum betroffen waren, erkranken plötzlich schwer. Ein Trend lässt sich wegen der Datenlage nur schwer ablesen. Dennoch denkt Christian Drosten schon an mögliche Folgen für Deutschland.

In Südafrika ist nach dem Auftreten der Omikron-Variante die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Kleinkindern nach Angaben von Ärzten deutlich gestiegen. In der Vergangenheit traf das Virus Kinder weniger hart als Erwachsene. Ob kleine Kinder durch die neue Variante besonders gefährdet sind, sei jedoch noch unklar, erklärten Wissenschaftler und Vertreter der Gesundheitsbehörden. 

"Wir haben einen ziemlich starken Anstieg in allen Altersgruppen festgestellt, insbesondere bei den unter Fünfjährigen", sagte Wassila Jassat vom Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) mit Blick auf die Hospitalisierungen. Auch die Zahl der positiv auf Corona getesteten Kinder zwischen zehn und 14 Jahren ist den Experten zufolge gewachsen.

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Das Omikron-Rätsel von Südafrika: Vor allem Kinder erkranken schwer

In einem Krankenhaus in Soweto wurden am Dienstag zwölf Kinder aufgenommen, von denen drei Sauerstoff benötigten. Das berichtet die "New York Times". In einer weiteren Klinik landeten außerdem zehn Kinder auf der Kinder-Covid-Station. Nur eines benötigte aber nach einer Lungenentzündungsdiagnose Sauerstoff. Ob die Kinder aus Haushalten mit geimpften Menschen stammen, ist nicht bekannt.

Laut Wissenschaftlern könnte dies unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass die Corona-Impfung in Südafrika bislang nicht für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen ist. Trends, dass Kinder nach Auftreten der Omikron-Variante häufiger erkranken gibt es aber nicht überall in Südafrika.

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In den Krankenhäusern um Johannesburg, wo die Zahlen seit dem Nachweis der Mutante in Südafrika schneller steigen als in den vorherigen drei Corona-Wellen, ist die Lage von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Es sei noch zu früh, zu sagen, ob Kinder häufiger unter schwereren Omikron-Verläufen leiden, heißt es.

Drosten warnt vor Omikron: "Jeder soll sich jetzt sofort boostern lassen"

Auch Christian Drosten wies in den ARD-Tagesthemen schon auf die Daten aus Südafrika hin. Gerade wenn man davon ausginge, dass die Kinder dort überwiegend keinen Kontakt mit dem Sars-CoV-2-Erreger hatten, könnte man ableiten, dass Omikron bei ungeimpften Menschen, die bisher nicht infiziert waren, auch hierzulande zu stärkeren Verläufen führen könnte.

dpa  

Vor Spekulationen, Omikron würde in Deutschland milder verlaufen, warnte der Virologe der Berliner Charité. Die Immunisation laufe in jedem Land verschieden. In Deutschland macht ihm vor allem Sorgen, dass in Deutschland relativ viele Menschen weder vollständig geimpft noch genesen sind.

Weil bisherige Erkenntnisse vermuten lassen, dass diese Gruppen besonders anfällig für schwere Omikron-Verläufe sind, appelliert Drosten. "Jeder, der kann, soll sich jetzt sofort boostern lassen. Und alle Ungeimpften müssen sich angesichts der neuen Gefahr überlegen, ob sie das aufrechterhalten wollen."

WHO: Omikron in mindestens 57 Ländern nachgewiesen

Die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Variante B.1.1.529 wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "besorgniserregend" eingestuft. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte. Welche genauen Auswirkungen die Variante hat, steht aber noch nicht fest. Mittlerweile sind in vielen Ländern Omikron-Fälle aufgetaucht.

Nach jüngsten Angaben der WHO ist die Variante in mindestens 57 Ländern nachgewiesen worden. Die Zahl der Omikron-Infektionen steige in Südafrika stark, aber es sei zu früh zu sagen, ob sich das Virus in anderen Weltregionen ähnlich ausbreite, hieß es am Mittwoch. Bei den beiden schon bestätigten Omikron-Fällen in Niedersachsen handelt es sich um Reiserückkehrer aus Südafrika.

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