Gesundheit

Kaum Corona-Restriktionen in Südafrika, Null-Covid in Hongkong: So gehen andere Länder mit Omikron um

Omikron verbreitet sich rasend schnell auf der Welt. In Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Dänemark oder den USA sorgt die Virus-Variante für rasant steigende Zahlen. Auch Deutschland sieht sich vor einer Omikron-Welle: Die Variante des Coronavirus dürfte nach Einschätzung der Bundesregierung in wenigen Tagen zur dominierenden Variante in Deutschland werden. "Zurzeit gehen wir von einem Omikron-Anteil von 25 Prozent deutschlandweit aus", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Mittwoch in Berlin.

Die Bundesregierung arbeitet für das Bund-Länder-Spitzentreffen am Freitag an neuen Corona-Schutzmaßnahmen. Der Vorsitzende des Corona-Expertenrats, Heyo Kroemer, habe am Mittwoch im Bundeskabinett über die aktuelle Pandemielage informiert, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch in Berlin. "Es gibt einen breiten Konsens über das, was jetzt zu tun ist", sagte Hebestreit. Details der geplanten neuen Maßnahmen wollte der Regierungssprecher mit Verweis auf die Bund-Länder-Beratungen am Freitag nicht nennen.

Am Mittwoch stünden dazu zudem noch Beratungen der Staatskanzler-Chefs und der Gesundheitsminister von Bund und Ländern an.

Omikron-Welle


Massenhafte Personalausfälle erwartet – Risikoforscher warnt vor Einschränkungen im Alltag

Omikron: Großbritannien will nicht weiter Maßnahmen verschärfen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte bereits schärfere Kontaktbeschränkungen gefordert, um insbesondere die Ausbreitung der hoch infektiösen Omikron-Variante zu verlangsamen.

Auch andere Länder weltweit haben wegen Omikron Maßnahmen verschärft oder Regelungen getroffen, um einen Ausfall in systemrelevanten Bereichen abzuwenden. Ausgerechnet ein Land hat aber kaum Maßnahmen mehr. Ein Überblick.

Südafrika: Ende November verunsichert eine Nachricht aus dem Süden Afrikas die Welt: Südafrikanische Wissenschaftler geben die Entdeckung einer neuen, hochansteckenden Coronavirus-Variante bekannt, die die WHO kurz darauf Omikron nennt. Gut einen Monat später sendet das Land völlig andere Corona-Signale: Fast alle Restriktionen wurden gestrichen – viele Südafrikaner feiern gerade wieder ausgelassen an den Stränden der Küstenprovinzen ihre Sommerferien. Kurz vor Silvester wurde sogar die seit fast zwei Jahren geltende nächtliche Ausgangssperre zusammen mit weiteren Einschränkungen aufgehoben. "Omikron hat seinen Höhepunkt erreicht", begründete das der zuständige Minister Mondli Gungubele. Es habe weder eine alarmierende Veränderung bei der Zahl der Krankenhauseinweisungen noch bei der Zahl der Todesfälle gegeben.

Das Land befindet sich nun auf der niedrigsten der fünf Stufen des fast zwei Jahre geltenden Alarmsystems. Masken auf öffentlichen Plätzen sind weiter Pflicht, bei Versammlungen soll auch weiter auf Distanz geachtet werden. Allerdings: Selbst die panafrikanische Gesundheitsorganisation Africa CDC warnte kurz vor Weihnachten davor, die "ermutigenden ersten Erkenntnisse" aus Südafrika nun auf andere Länder zu übertragen.

Großbritannien zeigt, was Omikron bedeutet – so ist die Corona-Lage in Europa

Großbritannien: Omikron hat die Infektionszahlen in neue Höhen schnellen lassen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 1597 (Stand: 30. Dezember). In Schottland und England war Omikron schon vor Weihnachten dominant – in England sind es inzwischen mehr als 90 Prozent der Fälle. Um massive Personalausfälle in systemrelevanten Branchen abzufedern, wurde die Pflichtquarantäne für Infizierte auf sieben Tage verkürzt. Trotzdem haben mehrere Kliniken bereits wegen infizierter Beschäftigter den Katastrophenfall ausgerufen. Auch der öffentliche Verkehr ist betroffen. Zum Wiederbeginn der Schule rechnen auch Schulleiter mit vielen Ausfällen.

Der britische Premierminister Boris Johnson will trotz einer Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen in England ohne strengere Einschränkungen auskommen. Der konservative Politiker kündigte am Dienstag in London an, an seinem sogenannten Plan B festzuhalten. Dazu gehört eine Maskenpflicht in Innenräumen, die Empfehlung, von zu Hause zu arbeiten, und 3-G-Nachweise (also: geimpft, genesen oder getestet) für Clubs und Großveranstaltungen. Der Plan gilt seit mehreren Wochen. Viele Experten fordern härtere Maßnahmen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, wie sie sich in einigen Kliniken bereits andeutet. Johnson begründet seine Linie damit, dass mittlerweile erwiesen sei, dass die in England und Schottland vorherrschende Omikron-Variante mildere Verläufe von Covid-19 verursache.

Dänemark: Beim nördlichsten Nachbarn wurde Omikron bereits einige Tage vor Weihnachten dominant. Mittlerweile macht die Variante mehr als 90 Prozent aller untersuchten Neuinfektionen aus. Dänemark hat seine Corona-Maßnahmen wegen Omikron verschärft. Die Maskenpflicht wurde vielerorts wieder eingeführt, ein Corona-Pass muss bei körpernahen Dienstleistungen vorgezeigt werden, Personenobergrenzen für Geschäfte und Gastronomie wurden eingeführt. Clubs und Diskotheken, Zoos, Theater, Kinos und viele weitere Einrichtungen sind geschlossen. Die Schulkinder in Dänemark kehren am Mittwoch allerdings wieder in ihre Klassenzimmer zurück. Nach einigen Tagen Homeschooling und in den Weihnachtsferien soll der Präsenzunterricht wie geplant wiederaufgenommen werden. Es sei mit Blick auf die Gesundheit vertretbar, die Kinder und das Personal in die Schulen zurückzuschicken, sagte Bildungsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil am Dienstag. "Ansonsten würden wir das nicht tun."

Corona-Pandemie


Dänemark verzeichnet hohe Infektionszahlen und erste Omikron-Todesfälle. Doch das Land ist optimistisch

Österreich: Auch hier herrscht Omikron nun vor. In der letzten Kalenderwoche 2021 wurden 4712 Omikron-Fälle nachgewiesen und 2965 Delta-Fälle. Und die Omikron-Zahlen gehen stark in die Höhe: Am Dienstag wurden mehr als 5000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Die Lage in den Kliniken ist aber noch verhältnismäßig entspannt. Um einem Zusammenbruch der Infrastruktur vorzubeugen, wurden etwa die Mitarbeiter des Energieversorgers von Wien isoliert. Bund und Länder wollen am Donnerstag über neue Quarantäneregeln beraten.

Niederlande: Trotz deutlich steigender Corona-Fallzahlen will die niederländische Regierung wie geplant die Schulen in der kommenden Woche wieder öffnen. Grundschulen und weiterführende Schulen werden den Präsenzunterricht am 10. Januar wieder aufnehmen, höhere Bildungseinrichtungen sollen jedoch auf Fernunterricht umstellen, wie das Bildungsministerium am Montag mitteilte. Zur Eindämmung der neuen Corona-Welle waren die Weihnachtsferien auf drei Wochen ausgeweitet worden. Auch alle nicht unbedingt notwendigen Geschäfte, Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen sind bis zum 14. Januar geschlossen.

Das niederländische Gesundheitsinstitut hatte am Montag mitgeteilt, dass die Zahl der positiven Corona-Fälle wegen der Omikron-Variante zunehme. Rund 14.600 Menschen wurden den Behörden zufolge am Montag positiv getestet – gegenüber 11.400 Fällen eine Woche zuvor.

Zypern: Reisende nach Zypern müssen künftig zwei PCR-Tests machen – einen vor und einen unmittelbar nach der Einreise. Der erste PCR-Test darf zum Zeitpunkt der Ankunft höchstens 48 Stunden alt sein. Wer keine Drittimpfung hat, muss zudem 72 Stunden nach der Ankunft noch einen Antigen-Schnelltest machen. Die neuen Maßnahmen gegen die Verbreitung der Omikron-Variante gelten ab Dienstagabend sowohl für Geimpfte als auch Ungeimpfte.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus auf Zypern waren in den vergangenen sieben Tagen rasant gestiegen. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, waren am 2. Januar 3538 Fälle registriert worden. Eine Woche zuvor hatte es noch 1925 Fälle gegeben. Die neuen Maßnahmen gelten vorerst bis zum 15. Januar.

USA: Omikron ist seit kurz vor Weihnachten die dominante Variante. Die Gesundheitsbehörde CDC verkürzte vergangene Woche die empfohlene Isolationsdauer nach einer Corona-Infektion von zehn auf fünf Tage. Grund waren Erkenntnisse, dass die meisten Ansteckungen früh im Krankheitsverlauf stattfinden. Nach Ablauf der fünf Tage ist zum Beenden der Isolation kein Negativtest nötig. Unternehmen und Vertreter des Gesundheitswesens hatten gefordert, die Isolationszeit zu verkürzen, um Personalengpässe zu vermeiden.

US-Präsident Joe Biden rechnet wegen der besonders ansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus in den Vereinigten Staaten mit einer weiter steigenden Zahl an Neuinfektionen. Erneut appellierte er am Dienstag im Weißen Haus an seine Landsleute, sich impfen zu lassen. Die Zahl der Neuinfektionen in den USA stieg zuletzt rasant an. Ende November gab es noch rund 100.000 bestätigte Fälle pro Tag. Nach Daten der Gesundheitsbehörde CDC lag die Zahl im Durchschnitt der vergangenen Woche inzwischen bei fast 500.000 Neuinfektionen pro Tag.

Corona-Pandemie


Omikron-Welle: Wie sich Kliniken, Apotheken und Feuerwehren auf den Notfall vorbereiten

Kuba: Wegen der Omikron-Variante verschärft Kuba seine Einreisebestimmungen. Ab Mittwoch müssen nach Angaben des kubanischen Gesundheitsministeriums Einreisende eine vollständige Impfung sowie einen negativen PCR-Test nachweisen, der bei Reiseantritt nicht mehr als 72 Stunden alt sein darf. Wer aus Südafrika oder einem von sieben weiteren Ländern im Süden Afrikas einreist, muss zusätzlich acht Tage lang auf eigene Kosten in einem eigens dafür vorgesehenen Hotel in Quarantäne. Ungeimpfte Kubaner, die auch in dem Inselstaat wohnen, müssen sich bei der Einreise einem PCR-Test unterziehen und ebenfalls acht Tage auf eigene Kosten in einem Quarantäne-Hotel verbringen.

Nachdem die täglichen Corona-Fallzahlen auf Kuba im vergangenen Sommer ihren Höchststand erreicht hatten, sanken sie zuletzt wieder. Das Land setzt drei selbst entwickelte Impfstoffe ein, die bislang nicht von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannt sind, und hat damit nach eigenen Angaben bereits 86,5 Prozent der rund elf Millionen Kubaner vollständig geimpft – darunter auch Kinder ab zwei Jahren.

Thailand: Aus Angst vor einer Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus will das asiatische Land die vor Weihnachten verschärften Einreiseregeln bis mindestens Monatsende nicht lockern. "Im Interesse von Gesundheit und Sicherheit haben wir beschlossen, die Wiedereinführung des Test&Go-Modells weiter zu verschieben", zitierte die Zeitung "Bangkok Post" am Dienstag Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul. Die Regierung hatte am 21. Dezember beschlossen, das quarantänefreie "Test&Go"-Modell, wonach vollständig geimpfte Touristen seit November bei der Einreise nur noch einen PCR-Test machen und dann eine Nacht in ihrem Hotel auf das Ergebnis warten mussten, zunächst bis zum 4. Januar auszusetzen.

Das bereits seit Juli laufende Sandbox-Modell auf der größten Insel Phuket, bei dem vollständig geimpfte Touristen unter bestimmten Auflagen quarantänefrei Ferien machen können, läuft hingegen weiter. Jedoch ist auf der Insel die Sorge vor einer Ausbreitung der neuen Variante groß: Zuletzt wurden auf Phuket laut Behörden 144 Omikron-Infektionsfälle verzeichnet, bei Einheimischen und Touristen.

Hongkong: Hongkong hat im Kampf gegen die Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus neue Einschränkungen erlassen. Die Regierung kündigte am Mittwoch ein Landeverbot für Flüge aus acht Ländern an. Die Maßnahme betrifft Reisende aus Frankreich, Großbritannien, den USA, Australien, Kanada, Indien, Pakistan und den Philippinen.

Als Reaktion auf die jüngsten Omikron-Fälle wird außerdem das öffentliche Leben in Hongkong weiter heruntergefahren. Ab Freitag sind Großveranstaltungen in der chinesischen Sonderverwaltungszone untersagt und zahlreiche Geschäfte und andere Einrichtungen, darunter Bars, Nachtclubs, Fitnessstudios und Schönheitssalons, müssen schließen. Restaurants dürfen außerdem ab 18.00 Uhr keine Gäste mehr in Innenräumen bedienen. Die Hongkonger Behörden verhängten außerdem ein Verbot für Kreuzfahrten. Wie Festlandchina verfolgt Hongkong eine Null-Covid-Strategie. Bis Dienstagabend wurden in der Millionenmetropole 114 Omikron-Fälle verzeichnet.

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