Gesundheit

Kreative Kooperationsprojekte statt Impfungen in der Apotheke

Über Grippeschutzimpfungen in Apotheken haben sich schon viele Ärzte echauffiert – vor allem seit in Nordrhein das erste Modellprojekt in den Startlöchern steht. Nun hat auch der Hausärzteverband Nordrhein vor „fatalen Folgen für die Gesundheitsversorgung“ gewarnt. Hier fände man es wichtiger, die Kooperation von Arzt und Apotheker zu stärken und über Modellprojekte die Arzneimittelversorgung im Bereitschaftsdienst oder nach Hausbesuchen zu verbessern. DAZ.online hat nachgehakt, was der Verband dabei konkret im Sinn hat.

„Ein gesundheitspolitisch unausgereifter Schnellschuss mit fatalen Folgen für die Gesundheitsversorgung in NRW“ – so kommentiert der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Dr. Oliver Funken, die Öffnung der Apotheken für Grippeschutzimpfungen. Zudem sei sie „ein Angriff auf die ärztlichen Leistungen in Krankenhäusern und Arztpraxen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Anlass gibt das erste Modellprojekt zur Grippeschutzimpfung in Apotheken in Nordrhein – ausgehandelt zwischen dem Apothekerverband Nordrhein und der AOK Rheinland/Hamburg. Im Herbst soll es in vier Regionen losgehen mit dem neuen Angebot, für das mit dem Masernschutzgesetz der Grundstein gelegt worden ist. Pharmazeuten, die mitmachen wollen, müssen zuvor eine Fortbildung absolvieren und die räumlichen Voraussetzungen schaffen. Honoriert wird die Leistung mit 12,61 Euro netto pro Impfung.

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Nachdem bereits die Ärztekammer Nordrhein ihren Unmut über diesen Vorstoß geäußert und der Virchowbund eine bessere Vergütung fürs ärztliche Impfen eingefordert hat, legt nun der Hausärzteverband der Region nach. „Eine Grippeimpfung kann nicht im Vorbeigehen ohne jegliche Beratung erfolgen“, findet Funken. Aus seiner Sicht führt das gemeinsame Vorgehen von AOK und AVNR zudem zu einer Wettbewerbsverzerrung. „Die Apotheken werden künftig immer Impfstoff verfügbar haben, um jederzeit diese Dienstleistung den Kunden anbieten zu können.“ Unnötig, meint Funken: Es gebe keinen Mangel an hausärztlichen Impfterminen, sondern vielmehr zuweilen einen eklatanten Mangel an Impfstoffen.

Bessere Zusammenarbeit nach Hausbesuchen und im Bereitschaftsdienst

Der Verbandsvorsitzende ist dagegen der Meinung, dass die Kooperation zwischen Apotheken und Ärzten vor Ort verbessert werden müsse. Ebenso müsse die Zusammenarbeit in Bereitschaftsdienstzeiten – insbesondere in der Nacht und im ländlichen Raum – ausgebaut werden, „gerne auch in Modellversuchen“. Wenn Patienten in der Nacht Notfallpraxen aufsuchten oder in Hausbesuchen aufgesucht würden, sei die notwendige Medikation oft nicht sichergestellt, heißt es in der Pressemitteilung. Denn Arztpraxen, Krankenhäuser und Fahrdienste dürften keine entsprechende Medikation vorhalten. „Auf lokaler und regionaler Ebene arbeiten wir in der Gesundheitsversorgung an der Stärkung der Zusammenarbeit. Einer kooperativen zukunftsorientierten Entwicklung der Versorgungsstrukturen steht der Hausarztverband offen gegenüber“, so Funken weiter.

Doch was genau haben die Hausärzte hier im Sinn? Schließlich gibt es Notdienstapotheken, die rund um die Uhr Patienten versorgen, sowie Botendienste. Wird einmal mehr das Dispensierrecht für die Ärzte gefordert? DAZ.online hakte nach: Wie stellen sie sich eine bessere Zusammenarbeit mit Apotheken im Bereitschaftsdienst oder nach Hausbesuchen vor? 

Was die Hausärzte im Sinn haben

Dazu erläuterte eine Sprecherin, dass die Notdienstpläne der Apotheken nicht mit den Standorten der Notdienstpraxen harmonisiert seien. Hierdurch passiere es, dass Patienten notwendige Medikamente nur schwierig und durch erneute Fahrten erhielten. Bei Hausbesuchen werde es noch schwerer. Gerade bei älteren Patienten, Alleinlebenden und Alleinerziehenden mit Kindern könne die Versorgung oft nur noch durch nachbarschaftliche Hilfe gesichert werden.

Und deshalb seien „kreative Lösungen hilfreich“. Zum Beispiel könnte an den Notdienstpraxen eine Apotheke eingerichtet werden. Oder Apotheken könnten eine Fahrbereitschaft im Nachgang an die Hausbesuche anbieten. Denkbar ist für den Verband auch die „Abgabe von Medikamenten im Auftrag durch die PTA an den Patienten in der Notdienstpraxis“. Ebenso: Eine Rezeptbox sowie die Entnahme der Medikation aus einem von Apotheken verwalteten Bestand oder auch mobile Boxen für den Fahrdienst. Durch Materialabsprachen, so die Sprecherin, könnten Lieferketten stabiler und schlanker gestaltet werden.

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