Gesundheit

Mein liebes Tagebuch

Der Meilenstein-Qantensprung-Freudetaumel bei der ABDA über die bevorstehenden pharmazeutischen Dienstleistungen, die wir eigenmächtig erbringen dürfen, hält an. Auch wenn Ärztefunktionäre neidvoll gegen das Honorar poltern, der AOK-Bundesverband sogar meint, unsere Honorare seien viel zu hoch – wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Und wenn der Honorartopf aufgebraucht ist, dann arbeiten wir sogar „für umme“. Eine echte Sorge trübt die Freude: der Personalmangel. Wer soll die Leistungen erbringen, wenn’s Personal fehlt? Wie begeistert man z. B. junge Menschen für den PTA-Beruf, wenn sie ihre Ausbildung sogar selbst bezahlen müssen? 

13. Juni 2022

Noch haben wir keine einzige der neuen pharmazeutischen Dienstleistungen abgerechnet – und schon poltern die Ärzte dagegen und sehen in den apothekerlichen Leistungen einen Angriff auf die hausärztliche Versorgung. Nun, liebe Ärztefunktionäre, lasst doch mal die Kirche im Dorf und hasst nicht so auf eure lieben Heilberufsschwestern und -brüder ab. Was da als pharmazeutische Dienstleistungen ausgehandelt wurde, werden die Apothekerinnen und Apotheker, die diese Leistungen erbringen und ihren Patientinnen und Patienten anbieten wollen, mit hervorragender Qualität tun. Habt da mal keine Sorge, Medikationsanalyse ist wirklich unser Ding. Und auch für die Betreuung von Tumorpatienten oder die Beratung bei Asthma-Devices sind oder werden wir aus- und fortgebildet. Und seid doch mal ehrlich, würdet ihr euch wirklich eine Stunde Zeit nehmen für eine Patientin, einen Patienten, um mit ihnen die Medikation en detail  durchzugehen und zu besprechen? Also, mein liebes Tagebuch, reden wir nicht um den heißen Brei, letztlich geht es den Ärztevertretern nur ums Geld, wie sie auch selbst ganz offen ansprechen. Sie fühlen ihre hausärztlichen Leistungen nicht ausreichend gewürdigt. Nun, dazu können wir Apothekers nichts sagen. Wenn sich die Ärzteschaft nicht adäquat honoriert fühlt, geht das nicht auf unser Konto. Und wenn dann so Sätze fallen wie „Wer Patientinnen und Patienten berät und behandelt, sollte nicht nur Medizin studiert haben, sondern klinische Erfahrung auf Facharztniveau haben“ (O-Ton Werner Baumgärtner vom Medi-Verbund), dann sind das doch wirklich keine sachlichen Argumente mehr, sondern Standesdenken aus dem letzten Jahrhundert. Also, liebe Funktionäre, beruhigt euch, die Patientinnen und Patienten werden in Apotheken auf höchstem Niveau pharmazeutisch betreut und beraten.

 

Das selbstgesteckte Ziel der Gematik von 30.000 eingelösten und auch abgerechneten E-Rezepten rückt näher und näher, vermutlich ist es Ende Juli soweit. Und bis jetzt scheint alles weitgehend ohne große technische Probleme abgelaufen zu sein. Mein liebes Tagebuch, ab 1. September, wenn dann wirklich alle Apotheken E-Rezept-ready sind, kann’s dann offiziell losgehen, zunächst in den Regionen Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe. So ein bisschen Spannung steckt da schon drin.

 

Unser Bauchgefühl hat’s bereits gesagt: Patientinnen und Patienten schätzen es, wenn sie sich in Apotheken gegen Grippe impfen lassen können. Nun zeigen dies auch ganz offiziell die Evaluationsdaten, die der Landesapothekerverband und die AOK Niedersachsen vorgelegt haben. Die leichte Erreichbarkeit, keine Wartezeiten, Vertrauen in die Kompetenz der Apotheke und günstige Öffnungszeiten sind die am häufigsten genannten Beweggründe, warum sich jemand für eine Grippeschutzimpfung in der Apotheke entschieden hat. 94 Prozent der in Apotheken Geimpften waren sehr zufrieden und würden sich daher wieder in einer Apotheke impfen lassen. Mein liebes Tagebuch, wenn das kein Riesenerfolg für die Apotheke ist! Dann kann’s im Herbst bundesweit losgehen für alle Apotheken, die sich fürs Impfen fortgebildet haben und es in ihrer Apotheke anbieten wollen. Die Bundesregierung hat den Weg dafür mit dem Pflegebonusgesetz frei gemacht.

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