Gesundheit

Umfrage zeigt: 58 Prozent würde sich gegen Covid-19 impfen lassen – doch das ist zu

Seit Dezember ist die Impfbereitschaft in Deutschland gestiegen. Allerdings würden sich, um die Verbreitung des Virus zu stoppen, immer noch nicht genug Menschen impfen lassen, wie eine Untersuchung zeigt – insbesondere auch im Gesundheitsbereich.

Lockdown-Verschärfungen, neue Virusmutationen und weiterhin hohe Todeszahlen – in der Corona-Krise sind schlechte Nachrichten an der Tagesordnung. Trotzdem gibt es einen entscheidenden Pluspunkt im Vergleich zum letzten Jahr: Die Impfung.

Innerhalb von weniger als einem Jahr haben es Wissenschaftler weltweit geschafft, Impfstoffe mit nachgewiesener Wirkung auf den Markt zu bringen. Mehr noch: Die Vakzine werden bereits verteilt und verimpft. Eine gute Nachricht, die allerdings auch einen Haken hat: Denn zu viele Menschen wollen sich gar nicht impfen lassen – insbesondere in Gesundheitsberufen. Das zeigt die Untersuchung Cosmo 2020, in der die Wissenschaftler einen besonderen Fokus auf die Impfbereitschaft von medizinischem Personal gelegt haben.

Die Wissenschaftler kommen in ihrem letzten Update von Mitte Januar zu dem Ergebnis, dass sich 56 Prozent aller Befragten – also sowohl der Menschen in Pflegeberufen als auch andere – gegen Covid-19 impfen lassen würden. Das sind zwar deutlich mehr als noch Mitte Dezember, aber noch nicht genug.

Cosmo Die Impfbereitschaft (rot) ist etwas gestiegen und befindet sich auf mittlerem Niveau. Das Informationsbedürfnis (dunkelblau) ist weiterhin hoch, das Vertrauen in die Impfung (türkis) zuletzt relativ stabil. Die X-Achse zeigt die Bewertung der Befragten auf einer Skala von 1 (Ablehnung) bis 7 (Zustimmung).  

„Bei einer angenommenen Basisreproduktionsrate von R0=3 und einem perfekt wirksamen Impfstoff würde die aktuelle Impfbereitschaft nicht ausreichen, um die Verbreitung des Virus zu stoppen. Bei einem Impfstoff mit weniger als 100 % Effektivität müsste die Impfbereitschaft sogar noch höher liegen“, schreiben die Wissenschaftler.

Ziel des Cosmo-Projekts ist es zu erfahren, wie die Bevölkerung das aktuelle Covid-19-Geschehen wahrnimmt. Es untersucht Wissen, Risikowahrnehmung, Schutzverhalten und Vertrauen der Bevölkerung während der aktuellen Pandemie.

Cosmo 2020 ist ein Gemeinschaftsprojekt von der Universität Erfurt, dem Robert Koch-Institut, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dem Leibniz-Institut für Psychologie, dem Science Media Center, dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und dem Yale Institute for Global Health.

Davon hängt die Impfbereitschaft der Deutschen ab

Während die Impfbereitschaft der Cosmo-Studie zufolge seit April stetig gefallen ist, gab es ab Mitte Dezember (damals lag die Impfbereitschaft bei 48 Prozent) einen kleinen Aufschwung, vor allem in älteren Altersgruppen.

Cosmo Die Grafik zeigt die Impfbereitschaft in verschiedenen Altersgruppen. Die X-Achse zeigt die Bewertung der Befragten auf einer Skala von 1 (Ablehnung) bis 7 (Zustimmung).  

Auch das medizinische Personal war ab Mitte Dezember etwas impfbereiter. Die neuste Untersuchung zeigt, dass diese etwas erhöhte Impfbereitschaft seit dem Anstieg relativ stabil geblieben ist.

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Gestiegen war der Untersuchung Cosmo 2020 zufolge zuletzt auch das Vertrauen in die Sicherheit der Impfung. Dieses Vertrauen habe sich als der wichtigste Einflussfaktor auf die Impfbereitschaft erwiesen. Geringer war diese Bereitschaft bei Menschen, die

  • Covid-19 für nicht bedrohlich und die Impfung für überflüssig halten
  • Nutzen und Risiken der Impfung abwägen möchten

Auch zeigten sich im Rahmen der Untersuchung die Menschen weniger impfbereit, die die Corona-Maßnahmen generell für übertrieben hielten.

Impfbereit sind hingegen vor allem Menschen, die

  • Vertrauen in die Sicherheit der Impfung haben
  • sich nicht auf die Impfung anderer verlassen wollen
  • älter und männlich sind

Auch stimmen laut der Studie Menschen eher einer Impfung zu, wenn sie sich gut informiert fühlen.

Das Informationsbedürfnis ist hoch

Während sich knapp drei von vier Befragten (72 Prozent) häufig über Corona informierten, empfanden sich allerdings nur 58 Prozent als gut oder sehr gut speziell über die Corona-Impfung informiert. Die Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass das Informationsbedürfnis der Menschen immer noch hoch ist.

Mitte Dezember kam die Befragung zu dem Schluss, dass vor allem Informationen

  • über potenzielle Nebenwirkungen der Impfung
  • über die verschiedenen Impfstofftypen
  • über die Frage, wann die Impfung für einen selbst verfügbar ist

bedeutsam seien. Insbesondere klassische Medien wie Fernsehen und Radio spielten eine große Rolle in der Informationsversorgung zur Impfung. Wer die Impfung ablehnte, informierte sich eher weniger.

Hälfte der Befragten aus medizinischem Bereich fühlte sich nicht ausreichend informiert

Neun Prozent der in der Cosmo-Studie befragten Teilnehmer arbeiten im medizinischen Bereich. Nicht klar ist dabei, ob es sich um Ärzte, Apotheker oder Pflegekräfte handelt. Etwa die Hälfte dieser Personen würde Patienten einen Covid-19-Impfstoff empfehlen.

Generell ist die Impfbereitschaft unter Gesundheitspersonal der Cosmo-Studie zufolge etwas geringer als in der Bevölkerung im Allgemeinen. Auch für diese Gruppe war die Sicherheit der Impfung der relevanteste Entscheidungsfaktor. Etwa die Hälfte der in diesem Bereich tätigen Menschen sagte, dass sie sich nicht gut informiert fühle.

Cosmo Die Grafik zeigt die Impfbereitschaft bei medizinischem Personal (rot) im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (blau). Die X-Achse zeigt die Bewertung der Befragten auf einer Skala von 1 (Ablehnung) bis 7 (Zustimmung).

Allerdings verweisen die Wissenschaftler auch darauf, dass es Diskrepanzen bezogen auf die Impfbereitschaft im Gesundheitssektor gibt. Eine Untersuchung in Los Angeles ergab etwa, dass sich deutlich mehr Ärzte sowie Psychotherapeuten impfen lassen würden, aber nur sehr wenig Pflegepersonal und Hebammen.

Die Impfskepsis hat nach Einschätzung des Psychiaters Borwin Bandelow viel damit zu tun, dass Menschen vor etwas Neuem und scheinbar Unbeherrschbarem besonders viel Angst haben. An Corona hätten sie sich mittlerweile gewöhnt, an die Impfung noch nicht. „Da sagt das Angstgehirn: ‚Da spritz ich mir was in den Körper und weiß nicht, was passiert.‘“ Rational sei das nicht, schließlich sei der Impfstoff gut untersucht und mittlerweile auch schon millionenfach angewandt.

„Wenn man glaubt, dass Corona nicht schädlich ist, der Impfstoff aber schon, ist das eine bizarre Verzerrung der Wirklichkeit.“ Bandelow geht aber davon aus, dass die Angst mit der Zeit abnimmt, weil sich ein Gewöhnungseffekt einstellt.

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