Gesundheit

WHO gibt Corona-Expertengruppe für China-Trip bekannt – Drosten wundert sich

Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Gruppe von zehn führenden Corona-Experten zusammengestellt, die den Ursprung des Virus in China erforschen sollen. Der deutsche Virologe Christian Drosten wurde offenbar nicht gefragt – und wundert sich nun.

Die Coronakrise hat aus Christian Drosten über Nacht einen Namen gemacht, den ganz Deutschland kennt. Seit Anbeginn der Pandemie tingelt der Virologe von der Berliner Charité durch Interviews und Pressekonferenzen, klärt in seinem eigenen Podcast über die neuesten Entwicklungen im Kampf gegen Covid-19 auf. Kein Wunder, denn nicht nur ist Drosten redegewandt, er ist auch einer der weltweit führenden Experten seines Fachs.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sah das offenbar anders. Die hatte am Montag die Zusammenstellung einer „Avengers“-mäßigen Truppe von Superexperten verkündet, die auf eine Forschungsreise nach China geschickt werden soll. Das Ziel: Die Experten sollen herausfinden, wo genau das Virus seinen Ursprung hat.

Wuhan oder doch woanders?

In der Forschungswelt gilt als wahrscheinlich, dass das Coronavirus zuerst in einer bestimmten Fledermausart aufgetaucht war, aber belegt ist diese Theorie noch nicht. Unklar ist auch, ob das Virus zunächst in einem Markt in der chinesischen Großstadt Wuhan auf den Menschen übersprang oder schon früher, an einem anderen Ort.

Für die Gruppe ausgewählt wurden führende Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Der deutsche Vertreter heißt Fabian Leendertz, er ist leitender Epidemiologe am Robert-Koch-Institut. Nicht dabei ist allerdings: Christian Drosten. Der teilte am Mittwoch auf Twitter seine Verwunderung mit der ganzen Welt. „Viele Wissenschaftler hätten sich gerne an dieser Mission beteiligt“, schrieb Drosten. „Ich frage mich, wie diejenigen auf der Liste ausgewählt wurden.“

Aufruf verpasst

Offenbar wurde der Berliner Virologe nicht gefragt. Seine niederländische Kollegin Marion Koopmans, selbst Teil der zehnköpfigen Expertentruppe, sorgte für Aufklärung: Es habe einen Aufruf über GOARN gegeben, ein weltweites Netzwerk aus Experten und Institutionen, das die WHO gegründet hatte. Gegenüber dem „Spiegel“ erklärte ein WHO-Sprecher, man habe den Aufruf Ende August gestartet. Danach seien 42 Bewerbungen und Empfehlungen durch Dritte geprüft worden. Drosten war wohl nicht darunter. „Wie schade, dass ich diesen Aufruf verpasst habe“, antwortete er nur auf Twitter.

Die Mission der Expertentruppe ist politisch brisant: Der chinesischen Führung wird seit Anbeginn der Pandemie vorgeworfen, sie enthalte der internationalen Gemeinschaft wichtige Erkenntnisse vor. Bereits im Juli hatte die WHO eine Expertengruppe nach China schicken wollen, bekam aber die Einreise verwehrt.

Die Zusammenstellung der neuen Truppe sei im Voraus mit der Führung in Peking abgesprochen worden, berichtete die in Hongkong ansässige „South China Morning Post“. Die Forscher sollen nun mit chinesischen Wissenschaftlern zusammenarbeiten, um den Ursprung des Virus zu erforschen. Eine erste Videokonferenz habe es nach WHO-Angaben schon Ende Oktober gegeben. Wann die Experten dann nach China reisen werden, ist noch unklar.

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